München
Update 14.09.2026 - 12:18 Uhr

Benzinpreis auf Rekordhoch - Diesel kurz davor

Erste Stimmen warnen schon vor 3 Euro pro Liter - andere widersprechen. Kurzfristig sieht es aber nach weiter steigenden Preisen aus. Das gibt Forderungen nach einem Spritpreisdeckel neue Nahrung.

Tanken wird immer teurer: Übers Wochenende ist der Preis für Superbenzin der Sorte E10 auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete ein Liter 2,273 Euro, wie der ADAC mitteilt. Das waren 1,7 Cent mehr als am Freitag. Diesel legte sogar um 3,5 Cent zu. Ein Liter kostete am Sonntag im Tagesschnitt 2,404 Euro und war damit nur noch 4,3 Cent von seinem Rekord aus dem April entfernt. 

Und auch die weiteren Aussichten sind unerfreulich: Zwar war E10 am Montagmorgen um 10.00 Uhr nur minimal teurer als zum gleichen Zeitpunkt am Sonntag und Diesel sogar minimal günstiger, vom ADAC heißt es aber: „Angesichts des weiter steigenden Ölpreises ist jedoch davon auszugehen, dass wir heute im Tagesdurchschnitt bei Super E10 und Diesel erneut leicht steigende Preise sehen werden.“

In den vergangenen beiden Wochen haben die Spritpreise bereits kräftig angezogen. Noch am 30. August war E10 um gut 12 Cent billiger als am Sonntag. Diesel um gut 20 Cent. 

Entwicklung im Nahen Osten treibt den Ölpreis

Ein für Montag geplantes Außenministertreffen der Staaten am Persischen Golf im Oman fand doch nicht statt. Berichten zufolge war eigentlich geplant, dass bei dem Treffen der Iran und der Oman eine Vereinbarung im festgefahrenen Konflikt über die Straße von Hormus vorstellen wollten. Zudem musste der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien nach Drohnenangriffen eine wichtige Pipeline abschalten.

Nach Ansicht des ADAC rechtfertigen der neuerliche Anstieg des Ölpreises sowie der Euro-Dollar-Wechselkurs das aktuelle Preisniveau an den Zapfsäulen jedoch nur teilweise. Unter anderem argumentiert der Verkehrsclub damit, dass der Ölpreis auch nach dem aktuellen Anstieg noch unter früheren Spitzenwerten liegt, E10 aber dennoch so teuer wie nie zuvor ist. 

Ende April habe Rohöl der für Europa wichtigen Sorte Brent in etwa so viel gekostet wie jetzt. „Super E10 lag damals jedoch nur bei etwa 2,10 Euro je Liter.Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist diese Entwicklung nur schwer nachvollziehbar“, sagt eine Sprecherin. „Aus Sicht des ADAC besteht daher, insbesondere auf Raffinerie- und Großhandelsebene, weiterer Erklärungsbedarf. Notwendig ist mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Drei Euro pro Liter?

Der Tankstellen-Interessenverband warnt bereits vor noch höheren Preisen: „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen. Und wir haben sie an den Autobahnen ja schon“, sagte der Sprecher des Interessenverbandes, Herbert Rabl, der „Rheinischen Post“. Auch er kritisiert das Vorgehen der Mineralölkonzerne: „Es wird abkassiert. Und auch die Tankstellenbetreiber leiden unter den hohen Preisen.“

Der ADAC sieht dagegen „keine Anhaltspunkte dafür, dass Diesel im Tagesdurchschnitt die Marke von drei Euro je Liter erreichen wird. Dafür müsste es auf den internationalen Ölmärkten zu einer nochmals deutlich stärkeren Preissteigerung kommen.“ Ein neuer Höchststand bei Diesel sei aber nicht ausgeschlossen, wenn sich die geopolitische Lage weiter verschärfe.

Schwesig will Spritpreisdeckel

Auch die aktuellen Preise reichen aber, um der Diskussion um einen Spritpreisdeckel neuen Schwung zu geben. So sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) der „Rheinischen Post“: „Es geht so nicht mehr weiter mit den Spritpreisen.“ Man brauche eine Lösung. „Das Beste wäre die Einführung eines Spritpreisdeckels nach Luxemburger Vorbild.“

Der Preis für Rohöl ist typischerweise der wichtigste Faktor für Änderungen beim Spritpreis. Regional und je nach Uhrzeit können die Preise aber stark abweichen. Aktuell ist Sprit in Süddeutschland - insbesondere in Bayern - ein gutes Stück günstiger, im Norden und besonders Ostdeutschland teurer, wie aus Daten des Spritpreisportals Tankerkönig hervorgeht. 

Zudem schwankt der Preis im Tagesverlauf stark - nach dem Preissprung am Mittag sind die Kraftstoffe meist mehr als 20 Cent teurer als unmittelbar davor. Am Nachmittag fallen sie dann meist rasch wieder, bis sie am späten Vormittag üblicherweise ihr Tagestief erreichen. An den von Rabl angesprochenen Autobahn-Tankstellen ist Sprit zudem oft sehr viel teurer als abseits der Autobahnen. Eine ADAC-Untersuchung hatte zuletzt einen Abstand von mehr als 30 Cent ergeben.

Auch Gas und Heizöl teurer

Die Entwicklung im Nahen Osten trifft die Verbraucher dabei nicht nur beim Autofahren, sondern auch beim Heizen. So war Heizöl am Montag nach Zahlen des Portals Heizöl24 um mehr als 30 Cent pro Liter teurer als Ende August. Von seinen Rekordständen aus dem Jahr 2022 war der Preis aber noch weit entfernt: Am Vormittag lag er um 1,66 Euro pro Liter. Damals war er vorübergehend auf mehr als 2 Euro geklettert. 

Bei Erdgas macht sich die Krise ebenfalls bemerkbar. So kletterte der Preis für europäisches Erdgas am Montag wegen Angebotssorgen durch Lieferausfälle aus den Fördergebieten am Persischen Golf deutlich. Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte den höchsten Stand seit Ende 2022.

Gaspreis verdreifacht

Der europäische Gaspreis hat sich in diesem Jahr bereits fast verdreifacht, weil ein Ende des Iran-Kriegs und den damit verbundenen Einschränkungen bei den Lieferungen von Energierohstoffen nicht in Sicht ist. Überdies stehen europäische Länder, darunter auch Deutschland, unter Zeitdruck, die niedrigen Füllstände der Gasspeicher vor dem Wintereinbruch wieder aufzufüllen. 

Direkt schlägt sich das für Gaskunden in der Regel wegen längerer Lieferverträge nicht nieder. Allerdings erwarten Experten, dass die Gaspreise für Neukunden und möglicherweise auch Bestandskunden steigen.

© dpa-infocom, dpa:260914-930-681111/3

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